„Autofreundlicher“ Straßenbahn-Ausbau auf dem Griesplatz – Teuer und nutzlos

Wir sind der Meinung, dass die derzeitigen Ausbaupläne des Grazer Straßenbahnnetz keiner Begutachtung durch seriöse und parteiunabhängige Verkehrsexperten standhalten würde. Unter dem „Deckmäntelchen“ der Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs wird in Wahrheit versucht, möglichst viele Verkehrsflächen für den motorisierten Individualverkehr zu erhalten. Herausgekommen sind unbefriedigende Kompromisslösungen, die nicht nur Millionen an unnötigen Mehrkosten verursachen sondern auch weiterhin Anlass zu Kritik und Diskussion geben werden.

Wir bitten darum, den nachfolgenden Pressetext zu beachten, sich mit dem Thema aktiv auseinanderzusetzen und nicht mit kritischen Rückfragen an alle Beteiligten zu sparen. Unüberlegte Beschlüsse gefährden den sinnvollen und notwendigen Ausbau der Straßenbahn für zumindest das nächste Jahrzehnt.

•    Der geplante Umweg der Linie vom Griesplatz über die Zweiglgasse, Augartenbrücke und Kai entspricht der derzeitigen Führung der Buslinien, ist aber für eine Straßenbahn absolut unzeitgemäß. Die Mehrkosten von 5-6%, das entspräche derzeit mindestens 6 Mio. Euro, sind in dem uns vorliegenden Bericht bereits bestätigt.
•    Hierbei handelt es sich um reine Baukosten, wohlgemerkt. Die Kosten für die komplette Neuplanung dieser bisher zum Glück noch nie ernsthaft erwogenen Variante sind hier noch nicht mit eingerechnet.
•    Pro Bim sprach sich bereits dafür aus, in der schmalen Brückenkopfgasse stadteinwärts einen eigenen Gleiskörper zu errichten und stadtauswärts die Straßenbahn im Mischverkehr zu führen. Da die Gasse relativ kurz ist (knapp 200 Meter), wäre es technisch kein Problem, diesen Abschnitt mittels Ampelschaltungen und Stausonden behinderungsfrei zu halten.
•    A propos eigene Gleiskörper: Diese waren immer ein Argument von Nagl und Eustacchio für die Umwegs-Variante. Nun stellte sich aber heraus, dass die Tram in der Zweiglgasse und auf der Augartenbrücke keinen eigenen Gleiskörper bekommen soll, obwohl die Straße breit genug wäre. Damit hat Variante 2 einen längeren Mischverkehrsabschnitt als Variante 1 und somit aus Sicht des ÖV keinen einzigen Vorteil!
•    Der GR-Antrag lässt eindeutig erkennen, dass bei der Prüfung der beiden Varianten ausschließlich die Leistungsfähigkeit für den KFZ-Verkehrs entscheidend war. Wir fragen uns: Warum steht bei einem Straßenbahnprojekt nicht die maximale Leistungsfähigkeit des ÖV an erster Stelle?
•    Zur Hauptverkehrszeit wird diese Linie also häufig im Stau stehen. Der behauptete Zeitverlust von nur 40 Sekunden (netto) gegenüber der direkten Variante über die Brückenkopfgasse ist demnach sehr, sehr unrealistisch.
•    Zum Schluss noch ein interessantes Detail: Aus einem Bericht an den Verkehrsausschuss geht hervor, dass die Errichtung der umstrittenen Bahnunterführung westlich der Josef-Huber-Gasse zu einem deutlichen Anstieg des KFZ-Verkehrs in diesem Bereich führen wird, da diese Unterführung als neue Direktroute in die Innenstadt für den Pendlerverkehr aus dem Westen fungiert. Dadurch wird nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Behinderungen der Straßenbahn im Mischverkehr erhöht, sondern auch der Wunsch der Bevölkerung nach einer verkehrsberuhigenden Umgestaltung des Griesplatzes ignoriert.

DOWNLOAD: PA-Griesplatz_20141012

2 comments for “„Autofreundlicher“ Straßenbahn-Ausbau auf dem Griesplatz – Teuer und nutzlos

  1. Christian Hecher
    13. Oktober 2014 at 10:19

    Diese Verkehrspolitik wäre im wahrsten Sinne des Wortes eine Katastrophe. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen der öffentliche Verkehr noch und nöcher gefordert wird, die Menschen umsteigen, Alternativen gesucht werden usw., wäre es einfach nur bescheuert, gegen diesen Zeitgeist zu arbeiten, wir leben nicht mehr in 1960ern bzw. im 19./20. Jahrhundert!^^ Das alles hätte auch bitte wirtschaftliche Folgen, Staus und vollgestopfte Straßen behindern das flüssige Vorwärtskommen und es geht dadurch auch wertvolle Zeit drauf, ganz zu schweigen von den Emissionen und der Verschlechterung der Lebensqualität.
    Hier stellt sich jetzt die Frage: Was könnten wir tun, um solche Entscheidungen zu beeinflussen? Es hat sich schon sehr oft bewahrheitet, dass öffentlicher Druck einen wesentlichen Beitrag leistet, wenn es um politische Entscheidungen geht. Daher könnte man durchaus eine Petition starten, für die Forcierung des öffentlichen Verkehrs!

    • Stefan Kompacher
      23. November 2014 at 16:55

      Was wir tun können? Weiter kämpfen, die Politik unter Druck setzen und vor allem große Teile der Bevölkerung dafür zu gewinnen! Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was theoretisch möglich wäre. Sie sehen es als Tatsache, dass Straßenbahnen und Busse überfüllt und unpünktlich sind. Dies ist aber kein Problem des Systems an sich, sondern die Folge politischer Versäumnisse und falscher Prioritäten.

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