Autor: ProbimGraz

Die Pro-Bim-Wunschliste für 2019

Funktionierende Displays an Haltestellen sowie in und an Fahrzeugen – Wer ortsunkundig ist und sich über Fahrpläne, Liniennummern oder Wartezeiten informieren möchte, ist oftmals auf hilfsbereite Grazerinnen und Grazer angewiesen. Die Displays an Haltestellen und Fahrzeugen sind nämlich oftmals schwarz, verweisen lapidar auf den „Fahrplanaushang“ oder zeigen nur kryptische Inhalte (Stichwort „Raumschiff Enterprise“). Der Tausch dieser Displays scheint sich zu einem regelrechten Jahrhundertprojekt entwickelt zu haben. Wie routinemäßige Wartungsarbeiten derart aus dem Ruder laufen können, ist für PRO BIM völlig unverständlich. Auch die Echtzeit-Anzeigen der App Qando funktionieren alles andere als verlässlich. Zum Vergleich finden Sie anbei Fotos aus Strasbourg, wo hochwertige Farbdisplays unterschiedlichste Informationen für die Fahrgäste bereithalten. Positiv bemerkt sei das gelungene Display am TIM-Standort Schillerplatz. Derartige Displays sollten auch an den Straßenbahnhaltestellen zum Einsatz kommen.

Besseres Angebot im Abendverkehr – Bereits ab 17:30 Uhr fahren die ersten Straßenbahnen zurück in die Remise. Diese Praxis stammt noch aus einer Zeit, als sämtliche Geschäfte um 18 Uhr geschlossen wurden. Um 19 Uhr werden dann die Linien 3 und 4 eingestellt, um 20 Uhr folgt die Linie 6. Das ist aus Sicht von PRO BIM weder attraktiv, noch zeitgemäß. Wenn es möglich war, in den 90er-Jahren mit vier Linien auch im Abendverkehr durch die Annenstraße zu fahren, sollte dies im Jahr 2018, wo Graz immerhin rund 80.000 Einwohner mehr hat, eine Selbstverständlichkeit sein. Stattdessen wird das Angebot aber halbiert. Wir fordern, dass die sechs regulären Straßenbahnlinien (1, 3, 4, 5, 6, 7) ganztägig und auf ganzer Länge verkehren.

Ein Straßenbahn-Beschleunigungsprogramm – Straßenbahnen, die im Stau stehen, wären in modernen Betrieben (etwa in Strasbourg) völlig undenkbar. In Graz ist dies leider Alltag. PRO BIM fordert bereits seit Jahren Beschleunigungsmaßnahmen für die Leonhardstraße und die Münzgrabenstraße. Bislang ist hier leider nichts passiert. Die täglichen Behinderungen der Tram durch den Autoverkehr können wir anhand zahlreicher Fotos und Videos dokumentieren. Nur wenn die Straßenbahn ihre Fahrgäste schnell und störungsfrei ans Ziel bringt, wird ein echter Anreiz zum Umsteigen geboten.

Funktionierende ÖV-Bevorrangung: Eine volle Straßenbahn kann im Berufsverkehr rund 125 PKW- Fahrten ersetzen. Dass die Tram an Kreuzungen bevorrangt wird, sollte daher selbstverständlich sein. Leider gibt es diesbezüglich in Graz immer häufiger „Unregelmäßigkeiten“, die die Vermutung nahelegen, dass es sich nicht um technische Gebrechen, sondern um bewusste Entscheidungen des Straßenamtes zugunsten des motorisierten Individualverkehrs handelt. Anders ausgedrückt: die mühsam erkämpften ÖV-Bevorrangungen werden möglicherweise heimlich und diskret wieder zurückgenommen. Neue Ampeln, wie etwa jene am Kaiser-Josef-Platz, scheinen indessen gar keine ÖV-Bevorrangung mehr zu haben. Wir fordern hier ein klares Durchgreifen der zuständigen Stadträtin.

Längere Straßenbahnfahrzeuge als Maßnahme gegen Überfüllung – Jahrelang wurde der Einsatz längerer Straßenbahnfahrzeuge versprochen und dann doch wieder aufgeschoben. Auch aktuell ist die Anschaffung von 40-Meter-Zügen nicht geplant, da der dafür notwendige Ausbau der Remise Steyrergasse noch immer nicht erfolgt ist. Das bedeutet weiterhin überfüllte Fahrzeuge – nicht nur zur Hauptverkehrszeit. Am 8.Dezember mussten sogar Fahrgäste an den Haltestellen zurückgelassen werden. Hinzu kommen auf sozialen Medien teilweise angekündigte, aber unbegründete Kursausfälle auf mehreren Linien, die einen zunehmenden Personalmangel vermuten lassen.

Wendemöglichkeiten bei Innenstadtsperren – Bis 2023 soll endlich eine Entlastungsstraße für die Herrengasse geschaffen werden. Für die Linien aus Andritz bedeutet eine Innenstadtsperre aber weiterhin die Einstellung. Betriebliche Wendemöglichkeiten, etwa bei der Keplerbrücke, wurden immer wieder vorgeschlagen, scheinen aber als nicht allzu dringlich angesehen zu werden. Schade.

Einfacher Zugang zu Fahrscheinen – Die jüngsten Pläne der Graz Linien, den Ticketverkauf in Fahrzeugen gänzlich einzustellen, wurden glücklicherweise inzwischen verworfen. Freilich berechtigt ist der Wunsch, das Fahrpersonal zu entlasten. Aus Sicht von PRO BIM sollte der Kauf von Tickets aber möglichst einfach und unkompliziert sein: Stationäre Automaten an allen Straßenbahn- und an wichtigen Bus-Haltestellen, Automaten in jedem Straßenbahnfahrzeug und eventuell zusätzlich auch in Gelenkbussen, ein dichtes Netz von Vorverkaufsstellen (hier könnten die großen Einzelhandelsketten als Partner gewonnen werden) und eine einfache, gut funktionierende App als Ergänzung.

Planung der Südwest- und Nordwestlinien – Die Entwicklung von Reininghaus schreitet voran, die Bezirke Wetzelsdorf und Straßgang wachsen, und auch in Alt-Grottenhof werden ohne Zweifel auf der verkauften Ackerfläche in naher Zukunft Wohnungen stehen. Die Südwestlinie wird von Jahr zu Jahr wichtiger. Ursprünglich sollte sie heuer, 2018, bereits fertig sein, ehe das Projekt durch Verschiebungen und Umplanungen systematisch umgebracht wurde. Indessen wünscht sich auch die Bevölkerung in Gösting einen Nahverkehrsknoten und eine Straßenbahn. Mehr als ein Stück altes Gleis in der Hirtenkloster-Siedlung ist vom Projekt „Nordwestlinie“ aber bis dato nicht zu sehen.

DOWNLOAD: ProBim_Wunschliste2019

Endlich! „Straßenbahn frei“ für sechs Projekte (davon 3 Neubaustrecken)

In der Vergangenheit hat „PRO BIM“ vor allem Kritik geübt: an diversen Versäumnissen beim Straßenbahnausbau und schließlich am wenig überraschenden Scheitern der Mobilitätsziele. Heute gab es jedoch positive Nachrichten: Sechs Tramprojekte, darunter drei Neubaustrecken. Das Grazer Netz könnte bis 2023 um vier Kilometer wachsen und durch zweigleisige Ausbauten erheblich leistungsfähiger werden. Ein Drittel der Kosten übernimmt das Land. Wir fühlen uns – bei aller Bescheidenheit – in unserer nunmehr fast 5-jährigen Arbeit bestätigt hoffen auf eine Umsetzung ohne weitere Verzögerungen!

Erstmals seit Langem gab es auch in finanzieller Hinsicht ein klares Bekenntnis von Stadt und Land zum Ausbau der Straßenbahn. In wenigen Jahren könnten „Reininghaus“ und „Smart City“ an das Schienennetz angeschlossen sein – für eine erfolgreiche Stadtentwicklung unerlässlich! Weiters könnte die Herrengasse endlich entflochten, die Linie 1 großteils und die Linie 5 durchgehend zweigleisig ausgebaut sein.

„Diese Straßenbahnen hält niemand mehr auf“, verkündete Bürgermeister Siegfried Nagl gegenüber dem ORF (http://steiermark.orf.at/news/stories/2893728). In der Tat wäre die Realisierung dieser Projekte ein großer Schritt für Graz. Es ist jedoch unbedingt sicherzustellen, dass der nun vorliegende Zeitplan eingehalten wird, dass Projekte nicht wieder umgereiht oder verschoben werden und insbesondere, dass keine Straßen-Großprojekte forciert werden, solange die entsprechenden Stadtteile nicht zuvor (!) einen Tramanschluss erhalten haben. Nur so lässt sich nämlich eine Mobilitätswende erreichen.

„PRO BIM“ gratuliert den Verantwortlichen und hofft, dass dieser erfolgreichen Ausbauphase schnellstmöglich, spätestens jedoch ab 2023, weitere Projekte folgen werden, etwa die Südwestlinie, die Nordwestlinie, die Anbindung der Karl-Franzens-Uni, die Verlängerung der Linie 5 zum Center West, eine zweite Straßanbahnachse für den stark wachsenden Bezirk Jakomini oder die Anschaffung von längeren und damit leistungsfähigeren Tramfahrzeugen (mindestens 40 Meter Länge).

 

Download: PA_2018-02-05_Straßenbahnausbau_2018-2

Graz ist an den eigenen Mobilitäts-Zielen gescheitert.

Die Hauptgründe hierfür sind ganz ohne Zweifel die unzähligen Verzögerungen und Versäumnisse beim Ausbau des Straßenbahn- Netzes. Anstatt diese Versäumnisse nun endlich aufzuholen geht die Stadt leider einmal mehr den Weg des geringsten Widerstandes – und will die Ziele kurzerhand nach unten korrigieren.

Der Modal Split in Graz wird vom motorisierten Individualverkehr (MIV) dominiert. Die aktuellsten Zahlen, die derzeit noch nicht vorliegen, werden dies mit Sicherheit bestätigen. Wenig überraschend, denn während etwa Linz und Innsbruck ihre Straßenbahnnetze zügig ausbauen, herrscht in der steirischen Landeshauptstadt vor allem Stillstand. Dabei wirken sich gerade in einer wachsenden Stadt höhere Anteile an „sanfter Mobilität“ (ÖV, Radfahrer, Fußgänger) nachweislich positiv auf die Verkehrssituation aus (siehe hierzu beispielsweise „Copenhagenization“ und „Road Diet“).

Da Graz den Ausbau des Schienennetzes seit Jahren verschläft, ist auch die angestrebte Mobilitätswende nicht eingetreten. Spätestens jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, um sich an dem Ausbautempo der oben genannten Landeshauptstädte zu orientieren: In Linz wurden durchschnittlich 2 Kilometer pro Jahr neu gebaut. Aber die Politik hat einen einfacheren, bequemeren – aber natürlich auch wenig zielführenden – Weg gewählt: Die Mobilitätsziele wurden kurzerhand für „zu ambitioniert“ erklärt und sollen nun aufgeweicht werden. So kann man Ziele „erreichen“, ohne etwas dafür tun zu müssen. Ein klareres Eingeständnis der gescheiterten Verkehrspolitik in unserer Stadt ist schwer vorstellbar.

 

E-Busse sind keine Alternative zum Straßenbahnausbau – die Straßenbahn ist beliebter

Zuletzt wurde von ÖVP und FPÖ wieder einmal das Thema E-Busse aufgegriffen. Dazu ein Blick in die aktuellen Fahrgastzahlen der Graz Linien: Im Jahr 2017 wurden 117,2 Millionen Passagiere befördert, davon rund 57 Prozent (61,3 Millionen) mit der Straßenbahn, obwohl das derzeitige Schienennetz mit nur sechs Linien und etwa 34 Kilometern Netzlänge viel kleiner als das Busnetz (ca. 40 reguläre Linien) ist. Die Straßenbahn ist und bleibt das beliebteste öffentliche Verkehrsmittel der Grazerinnen und Grazer. Die zahlreichen erfolgreichen Tramprojekte in diversen Städten (aktuell beispielsweise in der zweitgrößten dänischen Stadt Århus – siehe: http://www.urbanrail.net/eu/dk/aarhus/aarhus.htm) untermauern die Erfolgsgarantie der Straßenbahn als modernem urbanen Verkehrsmittel. Wir empfehlen den Verantwortlichen hierzu dringend eine Recherche zum Thema „Straßenbahn- Renaissance“. E-Busse sind eine sinnvolle Ergänzung, aber keine Alternative zum Ausbau der Tram in Graz.

 

Pro Bim fordert: Aktuelle Projekte ohne Verzögerungen umsetzen und weitere Projekte vorbereiten

Die Verlängerungen nach Reininghaus und Smart City, sowie die Entlastungsstrecke über die Neutorgasse sind jedenfalls ohne weitere Verzögerungen in dieser Periode umzusetzen. Die Projekte sind ohnehin nicht mehr im Zeitplan: die Strecken in die neuen Stadtteile sollten ursprünglich 2019 in Betrieb genommen werden, die Entlastungsstrecke eigentlich schon seit Jahrzehnten fertig sein.

Weitere Neubaustrecken (Neuplanung der Südwestlinie, Nordwestlinie, Anbindung der KF-Uni, Verlängerung zum Center West usw.) sind rechtzeitig vorzubereiten, sodass nach Fertigstellung der aktuellen Projekte nahtlos weitergearbeitet werden kann.

 

„Gleichberechtigtes Nebeneinander aller Verkehrsteilnehmer“ bei gleichzeitiger Ablehnung jeglicher Einschränkungen für den MIV ist ein Widerspruch.

Abschließend noch ein paar klare Worte an jene Mitglieder des Gemeinderates, die zwar angeblich für ein gleichberechtigtes Nebeneinander eintreten wollen, dabei aber jegliche Beschränkungen für den Individualverkehr kategorisch ablehnen. Sie sind eingeladen, sich mit dem schwierigen Thema Verkehrsplanung ganzheitlich auseinanderzusetzen und dieses nicht auf Stammtischniveau zu reduzieren. Es sollte allen klar sein, dass die für eine Mobilitätswende benötigte Infrastruktur mitunter nur durch eine Neuorganisation der bestehenden Verkehrsflächen realisiert werden kann.

 

DOWNLOAD: PA 2018-01-22 – Mobilitätsziele

 

Weiterführende Informationen:

VCÖ 4_2016 Kapitel Rückbau von Stadtautobahnen

https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance_der_Stra%C3%9Fenbahn

 

Neue Hauptstraße statt Südwestlinie – Verkehrspolitik von vorgestern!

Kurz nach der Absage der Südwestlinie forcieren ÖVP und FPÖ den Bau einer neuen Straßenunterführung vom Westen direkt ins Zentrum. Mehr Autos als willkommenes

„Argument“ für die umstrittenen Innenstadt-Tiefgaragen?

PRO BIM hat in den vergangenen Jahren mehrfach davor gewarnt, dass die ständigen Verschiebungen und unsinnigen Umplanungen der Südwestlinie – laut der seriösen „Hüsler-Studie“ die wichtigste Grazer Straßenbahnneubaustrecke – letztlich nur dazu dienen, das Projekt sukzessive zu Grabe zu tragen und somit die notwendigen Eingriffe in den Straßenverkehr zu vermeiden.

Diese Befürchtungen haben sich nunmehr bestätigt. Die Südwestlinie wurde da facto abgesagt, stattdessen soll eine neue Straßenunterführung westlich der Josef-Huber-Gasse einerseits eine Anbindung des Reininghaus-Quartiers, andererseits eine zusätzliche Einfahrtsroute für Pendler aus dem Westen schaffen. Beides nur für den Autoverkehr, versteht sich. Hier gilt es freilich, kritisch nachzufragen:

  • Reininghaus wurde stets als „Öko-Stadtteil“ beworben: viel sanfte Mobilität, kurze Wege, wenig Autoverkehr. Warum benötigt ein solcher Stadtteil erstens überhaupt eine zusätzliche hochrangige Straßenanbindung und zweitens, warum ist diese offenbar wichtiger als die Straßenbahn? Hat sich Graz von dem ursprünglichen Mobilitätskonzept längst verabschiedet?
  • Wäre es nicht sinnvoller, Pendler aus dem Westen auf Park-and-Ride-Anlagen mit Schienenanschluss umzuleiten, anstatt direkt ins ohnehin überlastete Zentrum fahren zu lassen? Auch dafür böte sich die Südwestlinie an.
  • Die beiden aktuellen Garagenprojekte in der Altstadt sind unter Verkehrsexperten umstritten. Mehr Autos im Zentrum könnten aber einen Grund liefern, warum diese Garagen trotz aller Bedenken „benötigt“ würden.

 

PRO BIM fordert, die Planungen für die Südwestlinie nach Fertigstellung des aktuellen Ausbauprogramms (Reininghaus, Smart City, Innenstadtentlastung Neutorgasse) weiter voranzutreiben. Die Unterführung Josef-Huber-Gasse soll nur errichtet werden, wenn sie zu keinen Konflikten mit dem Tramprojekt führt. Fakt ist, dass aufgrund der prognostizierten 24.000 Autofahrten in der Rösslmühlgasse eine Straßenbahn dort nicht mehr genehmigungsfähig wäre.

 

Die Vorteile der Südwestlinie liegen auf der Hand:

  • Wiederanbindung des Griesplatzes an das Schienennetz. Die Bevölkerung im verkehrsbelasteten Bezirk Gries wünscht sich seit langem eine Umgestaltung des Platzes und eine Erhöhung der Lebensqualität. Der Gries wird derzeit bisweilen als „Verkehrsmistkübel“ der Stadt bezeichnet und das geplante Unterführungsbauwerk wird diese Situation noch verschärfen. Da bringen dann auch ein paar kosmetische Umgestaltungsmaßnahmen nichts.
  • Anbindung des Bahnhofes Don Bosco. Die 2007 eröffnete S-Bahn-Haltestelle Don Bosco, wo derzeit drei Linien halten (S3, S5, S6), war von Anfang an für einen Straßenbahnanschluss vorbereitet. Pendler aus Süd, Ost und West könnten dort auf die Tram umsteigen, der Hauptbahnhof würde dadurch entlastet.
  • Anbindung des Cityparks: Der Murpark liefert den Beweis, dass Einkaufszentren mit Tramanschluss auch von überdurchschnittlich vielen ÖV-Fahrgästen besucht werden. Auf Seiersberg und Co. trifft dies nicht zu.
  • Zweite Anbindung für Reininghaus: Nebst der Anbindung von Reininghaus aus dem Norden (Linie 3 oder 4, Fertigstellung geplant für 2021) könnte der neue Stadtteil auch auf einem zweiten Wege angebunden werden. Das erhöht die Flexibilität des Tramnetzes, etwa bei Störungen.
  • Anbindung des GKB-Bahnhofes „Wetzelsdorf“, Anbindung Grottenhof, Straßgang, Seiersberg und und und…Abschließend noch ein kritisches Wort zu den Finanzen: 20 Millionen soll die Unterführung kosten. Dafür könnte man auch eineinhalb Kilometer Straßenbahn bauen. Für die Tram ist merkwürdigerweise nie Geld da, da müssen Land und Bund einspringen. Aber es scheint kein Problem darzustellen, nach dem 180 Millionen teuren Südgürtel einen weiteren Millionenbetrag für den Straßenverkehr buchstäblich zu vergraben.

 

Download der PA: PA-Josef-Huber-Gasse

Unterschriftenliste von „Unser Griespletz“: Unser Griesplatz_Nein_zur_Unte rführung_Josef_Huber_Gasse

Link zur Petition: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/lebenswerter-gries-nein-zur-stadtautobahn-durchs-griesviertel

Dilettantischer E-Bus-Testbetrieb – Ein Grund mehr für den sofortigen und schnellen Ausbau unseres Straßenbahnnetzes!

Spätestens im letzten Halbjahr galten E-Busse für manchen politischen Tagträumer als das neue „Allheilmittel“ zur Lösung der Grazer Verkehrsprobleme. Der Bürgermeister sprang bald auf den Zug (oder besser: Bus) auf und alle Verantwortlichen waren erfreut, endlich wieder einen Grund gefunden zu haben, das Straßenbahnnetz nicht ausbauen zu müssen und die Bevölkerung über den Stillstand hinwegtäuschen zu können.

Ratlose Gesichter – Die professionelle Führung eines Verkehrsdienstleisters für über 300.000 Menschen sieht anders aus…
Zur Vorgeschichte: Ab Herbst 2016 sollten neue E-Busse in Graz getestet werden. Fahrzeuge und Lade-Infrastruktur stellte der chinesische Hersteller zur Verfügung, die Stadt musste etwa 1 Million Euro in Installations- und Adaptierungsarbeiten investieren.

An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass Pro Bim den Einsatz von emissionsfreien Elektrofahrzeugen als Ersatz für herkömmliche Dieselbusse – und nicht als Ersatz für erwiesenermaßen sinnvolle und notwendige Tramprojekte – durchaus begrüßt. Als positiv werten wir auch, dass die neuen Fahrzeuge vorher ausgiebig getestet werden. Ein solcher Test sollte jedoch effizient und professionell durchgeführt werden; dies ist in Graz leider nicht der Fall.

Statt wie ursprünglich geplant im Oktober 2016 werden die E-Busse frühestens ab Juni 2017 Fahrgäste transportieren können. Der Grund: gravierende technische Mängel an den Fahrzeugen und eine Holding-Graz-Vorstandsriege, der offensichtlich das nötige Fachwissen für einen solchen Testbetrieb fehlt. Die kalten Temperaturen taten ihr übriges; das Projekt wurde zum ordentlichen Reinfall.

Dies wirft natürlich etliche Fragen auf:

  • Wieso wurden diese Probleme vorher vertuscht und falsche Tatsachen verbreitet? Der Bürgermeister präsentierte Graz auf der Pressekonferenz als Pionierstadt für Elektrobusse, obwohl solche Busse in Deutschland schon in den 1980er Jahren unterwegs waren (Bilder unter: https://goo.gl/MGHTQq).
  • Warum werden hier Mittel für scheinbar unausgereifte Technik verschwendet, obwohl der Zustand der Straßenbahnstrecke nach Mariatrost immer schlechter wird und deren Sanierung bereits 2014 am Programm stand?
  • Warum wurde die Vergabe des Testbetriebes nicht öffentlich ausgeschrieben?
  • Warum lässt sich die Stadt Graz mit Herstellern ein, deren Qualitätsnormen scheinbar gewaltig von den bei uns üblichen Standards abweichen?
  • Warum versucht man immer wieder krampfhaft, neue und scheinbar innovative Verkehrsmittel zu etablieren, obwohl mit der Straßenbahn bereits ein sehr gutes und verlässliches urbanes Verkehrsmittel im Einsatz ist? Der Ausbau und die Attraktivierung des Straßenbahnnetzes müsste für die Politik und Holding Graz eigentlich höchste Priorität haben; mehr als leere Wahlversprechen waren der Bevölkerung in den letzten Jahren aber leider nicht vergönnt.
  • Warum setzt man auf Vorstandsebene und beim Verkehrsstadtrat nicht auf fachlich qualifiziertes Personal?

 

Fazit: Die Kosten für den bisher erfolglosen und unprofessionell durgeführten „Testbetrieb“ tragen die Steuerzahler. Eine Untersuchung dieser Vorgänge sollte jedenfalls zeitnah und unabhängig erfolgen.

Warum diese Missstände erst just nach der Wahl zutage treten, ist freilich eine andere Frage…

 

PDF-Version zum Herunterladen: 2017-02-13 – Testbetrieb E-Busse

Pro Bim fordert hohe Priorisierung des Tramausbaus in den Koalitions-Verhandlungen und sofortige Errichtung der Innenstadt-Entlastungsstrecke

Presse-Aussendung (10.02.2017):

Pro Bim fordert hohe Priorisierung des Tramausbaus in den Koalitions-Verhandlungen und sofortige Errichtung der Innenstadt-Entlastungsstrecke

Am heutigen Freitag entgleiste eine Straßenbahn am Hauptplatz. Glücklicherweise kamen keine Personen zu Schaden, jedoch stand der Tramverkehr nördlich des Jakominiplatzes – wieder einmal – stundenlang still. Fahrgäste mussten bis zu 45 Minuten (!!) auf den Ersatzverkehr warten, die Graz Linien nannten massive Behinderungen durch den Individualverkehr als Grund für die Verspätungen.

Hier zeigt sich einmal mehr, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten verkehrspolitisch in Graz verschlafen wurde: Die Entlastungsstrecke für das Nadelöhr Herrengasse lässt noch immer auf sich warten und nach wie vor können sich die öffentlichen Verkehrsmittel nicht ohne Behinderungen durch den Autoverkehr durch die Stadt bewegen; umfassende ÖV-Beschleunigungsprogramme wurden in der Vergangenheit ebenso wenig umgesetzt.

Die Gemeinderatswahlen sind vorbei, derzeit wird über mögliche Koalitionsvarianten verhandelt. Dabei geht es um – zweifellos wichtige – Themen wie Bildung, Integration, Murkraftwerk oder das Wohnungsressort. Der Straßenbahnausbau scheint indessen nach der Wahl wieder in der Versenkung zu verschwinden. Es ist uns zumindest nicht bekannt, dass die Bürgermeisterpartei und Wahlsiegerin ÖVP ein klares Bekenntnis zum Tramausbau aus Voraussetzung für eine Zusammenarbeit in den nächsten Jahren gefordert hätte.

Wir dürfen die Grazer VP daher noch einmal an ihre Wahlversprechen (die bereits 2012 im Programm waren!) erinnern.

·       Bis 2021 soll die Südwestlinie fahren, die wichtige Entlastungsstrecke ist hier inkludiert und sollte im Idealfall schon früher fertig sein.
·       Ebenfalls versprochen hat die ÖVP im Wahlkampf eine Straßenbahn zu den Reininghausgründen (Verlängerung der Linie 3).
·       Auch die Nordwestlinie samt NVK Gösting stand auf dem Wahlprogramm der ÖVP

Wir fordern die Umsetzung dieser Projekte in den nächsten Jahren ohne weitere Verzögerungen. Weiters fordern wir die Anbindung der Smart City an das Straßenbahnnetz, sowie die Errichtung von Wendeschleifen im Bereich Südtiroler Platz und Keplerbrücke, um den Schienen-Ersatzverkehr bei Sperren der Herrengasse auf ein Minimum beschränken zu können.

DOWNLOAD:

PA-Koalition_Innenstadtentlastung

3. – Strassenbahn-Beschleunigungsprogramm

3. Straßenbahn-Beschleunigungsprogramm

In modernen Straßenbahnbetrieben wird die Tram grundsätzlich unabhängig vom Individualverkehr geführt (in Linz ein Großteil aller Strecken). Wo das nicht möglich ist, werden Straßen verkehrsberuhigt oder durch sogenannte Pförtnerampeln staufrei gehalten.

In Graz liegt der Großteil des Netzes nicht auf eigenen Gleiskörpern, es gibt weiterhin extrem störungsanfällige Mischverkehrsabschnitte (z.B. Münzgrabenstraße, Leonhardstraße) und augenscheinlich keinerlei Beschleunigungs-Konzepte. PRO BIM fordert seit Jahren ein Beschleunigungsprogramm:

ü Mehr eigene Gleiskörper für die Straßenbahn. Diese sollten auch baulich von der Straße abgetrennt sein. Schlechte Kompromisse wie in der unteren Conrad-von- Hötzendorfstraße sind nicht zielführend.

ü Verkehrsberuhigung von Straßen, wo ein eigener Gleiskörper nicht möglich ist. Schienenstraßen mit Mischverehr dürfen nicht gleichzeitig Hauptverkehrsrouten für den Individualverkehr sein, sonst passiert das, was die Fahrgäste täglich in den beiden oben genannten Straßen erdulden müssen.

  • Frage 3a: Befürworten Sie als Partei ein solches Beschleunigungsprogramm? Dieses wird freilich nur mit Einschränkungen für den KFZ-Verkehr umsetzbar sein. Verkehrsflächen müssen ggf. neu organisiert werden.
  • Frage 3b: Befürworten Sie im Besonderen die schnelle Umsetzung von Beschleunigungs- Maßnahmen in der Leonhardstraße und Münzgrabenstraße?

 

Alle Antworten hier zum Download:  Frage 03 – komplett

 

Antwort ÖVP

    1. Die Verkehrsplanung hat dem Verkehrsausschuss 2016 ein Beschleunigungsprogramme mit dem Schwerpunkt bei den Buslinien vorgelegt. Die genaue Prüfung solcher Maßnahmen bei Straßenbahnlinien sollte prioritär erfolgen.

    2. Auf Grund der Länge dieser Mischverkehrsabschnitte und der zahlreichen verkehrlichen Zu- und Abflüsse in diesen Straßenzügen, scheinen effektive Beschleunigungsmaßnahmen nicht leicht entwickelbar. Eine Variantenplanung sollte prioritär erfolgen.

Antwort KPÖ

Die KPÖ Graz tritt selbstverständlich für den Vorrang für den öffentlichen Verkehr ein. Eigene Straßenbahn- und Bustrassen sind dafür ein bewährtes Mittel.

Antwort SPÖ

Wo dies möglich ist, sollte die Tram selbstverständlich auf eigenen Gleiskörpern fahrenauch wenn das zu gewissen Einschränkungen im KFZ-Verkehr führt. Allerdings muss dies gut abgestimmt in einem Gesamtverkehrskonzept seinund ein solches zu entwickeln, fällt in den Aufgabenbereich des Verkehrsstadtrates, seine Fachämter verfügen über die Kompetenz und das Know How.

Die Leonhard- und die Münzgrabenstraße sind sicherlich besonders belastet und eine Beschleunigung der Straßenbahn ist wünschenswert. Also ein grundsätzliches ja, wobei auch hier die Einbettung in ein Gesamtkonzept notwendig ist.

Von der FPÖ haben wir leider keine Antworten bekommen

Antwort Grüne

Ja, wir Grüne befürworten seit langem, dass der öffentliche Verkehr im Allgemeinen, insbesondere aber unsere Straßenbahnen als Rückgrat unseres öffentlichen Verkehrs in Graz beschleunigt werden müssen (bzw. als erstes Ziel für Graz staufrei verkehren können müssen). So sind wir sowohl für den priorisierten Ausbau auf eigenen Trassen (solche Trassen sollten möglichst als Rasengleise ausgeführt sein), aber auch für andere geeignete Maßnahmen, wie etwa Ausbau der Ampelbeeinflussungen durch die Tram und wo sinnvoll auch mittels Pförtnerungen zum Vorteil der Straßenbahn. Der verbleibende KFZ-Verkehr wird wohl durch Dosierung bereits im Zulauf so organisiert werden müssen, dass es zu keinen gravierenden Zeitverlusten für die Tram kommt.

Ja, unbedingt. Sowohl die Leonhardstraße als auch die Münzgrabenstraße sind umgehend (und in genau dieser Abfolge) neu zu organisieren. Beides sehen wir als unbedingt notwendige Maßnahmen für die nächste Periode an.

Antwort Piraten

Wir befürworten ein solches Beschleunigungsprogramm. Der öffentliche Verkehr sollte auf jeden Fall gegenüber dem Individualverkehr priorisiert werden. Dabei darf aber nicht auf Begleitmaßnahmen

vergessen werden. Wenn der Individualverkehr zurückgedrängt werden soll, müssen ausreichende und vor allem attraktive Park&Ride Anlagen für alle Pendler errichtet werden.

Wir befürworten die rasche Umsetzung [bzgl. Leonhard- und Münzgrabenstraße], zusätzlich müssen für die PendlerInnen rasch P&R Anlagen errichtet werden, da es sich um wichtige Ein- bzw. Ausfallsstraßen handelt.

Antwort Einsparkraftwerk

Das Einsparkraftwerk befürwortet ein Beschleunigungsprogramm für die Straßenbahn. Schnellschüsse sind selten gut. Wenn hier etwas nicht gut umgesetzt wird, dann kann dies viele potentiell gute Nachfolgeprojekte verhindern.

Antwort NEOS

Wir NEOS sprechen uns deutlich für ein Beschleunigungsprogramm für die Straßenbahn aus und sehen eigenständige Gleiskörper als den besten Weg diese Beschleunigung umzusetzen. In den von Ihnen genannten Beispielen der Münzgrabenstraße und Leonhardstraße wird die Schaffung eines eigenen Gleiskörper für Straßenbahnen aber wohl leider aufgrund der baulichen Situation ein Wunschtraum bleiben, da eine so erhebliche Beeinträchtigung des Individualverkehr unserer Meinung ebenso wenig für die gesamte Grazer Verkehrssituation wünschenswert ist. Vielmehr sollte man versuchen die verkehrstechnischen Schlüsselstellen im Fall der Münzgrabenstraße eben den Dietrichsteinplatz, verkehrstechnisch so umzugestalten, dass mit dem dort vorhandenen Raum Staupunkte entschärft werden können. Gleiches gilt für die Leonhardstraße

Antwort Tatjana Patrovic

Da ich grundsätzlich für eine autofreie Innenstadt bin und das nur mit einer umfassenden Neuorganisation geht , müsste man eigentlich alle Programme, darunter auch das Beschleunigungsprogramm, neu definieren. Die schnelle Umsetzung eines Beschleunigungsprogramms für die Leonhard- und Münzgrabenstraße befürworte ich

Von WIR haben wir leider keine Antworten bekommen.

2. Finanzierung nur mit Hilfe des Landes

2. Finanzierung II – ohne Hilfe des Landes nicht möglich; wann werden endlich Gespräche geführt?

Linz, Innsbruck und Mainz beweisen: Erfolgreicher Tramausbau ist ohne Unterstützung des Landes nicht möglich. In Graz finanziert das Land leider vor allem Straßenprojekte (Südgürtel…), obgleich sich vor den letzten Landtagwahlen alle Parteien zum Ausbau der Straßenbahn bekannt haben, insbesondere auch der amtierende LH Hermann Schützenhöfer. Ebenso gab es vom Land aber auch klare Kritik an Graz: Die Stadt hätte bislang keine konkreten Projekte vorgelegt und eine gemeinsame Finanzierung gefordert.

  • Frage 2a: Gab es – Ihres Wissens nach – im letzten Jahr seit den LT-Wahlen konkrete Gespräche mit der Landesregierung zum Thema Straßenbahnausbau? Wurden konkrete Projekte vorgelegt und die notwendige Mitfinanzierung eingefordert?
  • Frage 2b: Werden Sie als Partei dafür eintreten, dass ab sofort regelmäßig solche Gespräche stattfinden?

Antworten zum Downloaden: Frage 02 – komplett

 

Antwort ÖVP: a) Mir nicht bekannt, wahrscheinlich nein, wäre zunächst die Aufgabe des Verkehrsstadtrates.
b) Ja

Antwort KPÖ: a) Seit vielen Jahren schlägt die KPÖ vor, eine Nahverkehrsabgabe nach dem Vorbild der Wiener U-Bahn-Steuer(korrekt eigentlich: Dienstgeberabgabe) einzuführen. Diese ist in Wien dermaßen gestaltet, dass Dienstgeber pro Beschäftigten zwei Euro pro Woche bezahlen. Dabei gibt es einige Ausnahmen, beispielsweise für ältere Beschäftigte oder für Beschäftigte, die weniger als 10 Stunden pro Woche arbeiten. Im Rahmen des Doppelbudgets 2015/16 für Graz hat sich die KPÖ mit ÖVP und SPÖ darauf verständigt, vom Land Steiermark eine derartige Abgabe einzufordern. Wir erwarten uns dadurch Einnahmen von gut 20 Millionen Euro für die Steiermark, die zweckgebunden für den Erhalt und Ausbau eines gut vernetzten Öffentlichen Verkehrs verwendet werden müssten.

b) Es wird viel Druck auch von außerhalb gewählter Gremien brauchen, um Bewegung in diese Angelegenheit zu bringen. Die KPÖ Graz hat in der Vergangenheit immer wieder Vorstöße in diese Richtung gemacht, wir werden hier auch weiterhin aktiv sein.

Antwort SPÖ: Es gibt regelmäßig Gespräche mit dem Land, bei denen auf die schwierige finanzielle Situation der Stadt insbesondere in Hinblick auf den notwendigen Ausbau des öffentlichen Verkehrs hingewiesen wird. So hat die Stadt Graz zum Beispiel ja auch bereits des Öfteren auf die Einführung einer Nahverkehrsabgabe gedrängtleider erfolglos. Über Verhandlungen zu konkreten Projekten müssten Finanzstadtrat Rüsch (ÖVP) und Verkehrsstadtrat Eustacchio (FPÖ) Auskunft geben können.

Ja, selbstverständlich sind wir dafür, dass mit dem Land (und auch dem Bund) über eine Mitfinanzierung verhandelt wird.

Von der FPÖ haben wir leider keine Antworten bekommen

Antwort Grüne: Soweit wir Grüne wissen, gab es einen Stadtregierungsbeschluss, der zur Folge hatte, dass Herr Bürgermeister Nagl und die damalige Vize-Bürgermeisterin Martina Schröck sowohl an die Landesregierung als auch an die Bundesregierung einen Brief verfasst haben. Ob es danach persönliche Gesprächstermine gegeben hat, entzieht sich leider genauso unserer Kenntnis, wie die Frage, ob konkrete ausgereifte Projekte vorgelegt worden sind. Festzuhalten ist es gab zu Inhalten oder zum Fortgang dieser vorgeblichen Aktivitäten der Spitze unserer Stadt Berichte weder an den Gemeinderat noch an den Verkehrsausschuss. Wir müssen leider davon ausgehen, dass keine mehr oder weniger baureif geplanten Projekte und somit auch keine Investitionssummen mit dem Land besprochen oder gar verhandelt worden sind.

Ja, selbstverständlich würden wir uns für regelmäßige Verhandlungen mit anderen relevanten Gebietskörperschaften beginnend beim Land Steiermark, aber auch mit dem Bund und mit Nachbargemeinden aussprechen. Sollten wir Grüne nach der anstehenden Gemeinderatswahl die Verantwortung für das Mobilitätressort erhalten, würden wir sowohl mit dem Land Steiermark als auch im Regionalverband „Steirischer Zentralraum“ (= Graz und Graz-Umgebung) solche Gespräche regelmäßig suchen, bzw. Einfordern.

Antwort Piraten: Nach den uns vorliegenden Informationen hat es diesbezüglich bislang keine offiziellen Gespräche gegeben. Das Verkehrsressort liegt sowohl beim Land, als auch in der Stadt in den falschen Händen. Es wird zu wenig intensiv über Nahverkehrsfinanzierung gesprochen und keine klaren Forderung an die Landes- und Bundesregierung gestellt. Es wird eher vorgezogen, wie auch bei anderen Themen, die Rolle des Opfers zu spielen, dem alles schwergemacht wird. Das ist einfacher, als konkrete Lösungen zu erarbeiten. Wir werden uns auf jeden Fall dafür stark machen, dass der öffentliche Verkehr Thema bleibt und darauf drängen, dass die Stadt Graz gemeinsam mit dem Land die längst überfälligen Gespräche beginnt und regelmäßig fortführt.

Antwort Einsparkraftwerk: Ich weiß von keinen Gesprächen. Das Einsparkraftwerk ist keine Partei, würde aber regelmäßige Gespräche begrüßen. Das Einsparkraftwerk würde sich freuen, hier mitPro Bimzusammenarbeiten zu können und vom Wissen und den Erfahrungen vonPro Bimzu profitieren.

Antwort NEOS: NEOS setzt sich auf Bundesebene für einenFinanzausgleich Neuein. Dieses Geld gehört gerechter unter den Bundesländern verteilt. Das Land Steiermark ist säumig in der Finanzierung für den Grazer Nahverkehr.

Darüber hinaus wollen wir auch die Umlandgemeinden in eben diesen Straßenbahnausbau mit der Einführung eines Stadt-Regio-Tram Konzeptes einbinden um den Ballungsraum Graz näher zusammenrücken zu lassen und auch die umliegenden Regionen besser an das Grazer Öffi-Netz anzuschließen. Außerdem sind wir die einzige politische Kraft die einen 20 Millionen Einsparungsplan für Graz vorgelegt haben. Damit könnten wir auch im Gegenzug ein Studienticket um 100pro Jahr finanzieren.

Antwort Tatjana Petrovic: Über konkrete Gespräche, Projekte und die damit verbundene Mitfinanzierung bin ich nicht informiert. Selbstverständlich sollten regelmäßige Gespräche geführt werden und zwar über alle relevanten Projekte.

Von der Liste WIR haben wir leider keine Antworten bekommen.

1. Finanzierung – fehlendes Geld oder falsche Prioritäten?

1. Finanzierung I – fehlendes Geld oder falsche Prioritäten?

Wie erklären Sie einem/r Wähler/in, der/die auf verlässlichen und gut ausgebauten ÖV angewiesen ist, dass die Stadt Graz ohne Probleme über 100 Millionen in das Murkraftwerk und den neuen Kanal investieren kann, während alle wichtigen Straßenbahnprojekte – angeblich aus Kostengründen – auf Eis liegen?

Zum Vergleich: um diese über 100 Mio. könnten die beiden Verlängerungen nach Reininghaus und Smart City (insgesamt etwa 44 Mio.) und die Hälfte der Südwestlinie samt Innenstadt-Entlastung (Gesamtkosten etwa 120 Mio.) gebaut werden.

Beim Murkraftwerk wurden politisch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen raschen Baustart zu ermöglichen. So viel politisches Engagement für ein Straßenbahnprojekt hat es noch nie gegeben! Bei den Tramprojekten, die teils schon Jahrzehnte auf Umsetzung warten, werden die Zeitpläne Jahr für Jahr nach hinten „korrigiert“. Hat der Straßenbahnausbau in Graz zu geringe Priorität?

Alle Antworten der Parteien könnt ihr auch hier als PDF herunterladen: Frage 01 – komplett

Hier die Details:

Antwort ÖVP: 1. Nach der Bauentscheidung für das Murkraftwerk (keine städtische Entscheidungskompetenz) durch den Investor Energie Steiermark ist die Stadt faktisch unter Zugzwang, die notwendigen Zusatzinvestitionen Speicherkanal und Murraumgestaltung mit wesentlicher finanzieller Beteiligung des Investors durchzuführen. Diese Investitionen nicht jetzt zu tätigen wäre grob fahrlässig. Fahrlässig wäre es auch die 3 hier genannten Straßenbahnausbauten nicht voranzutreiben. Deswegen wurde auf Initiative des Bürgermeisters (und anfänglich gegen den Willen des Verkehrsstadtrates) der Auftrag zur Durchführung aller Planungsschritte erteilt, die Finanzierung der Umsetzung wird dann ebenso zeitgerecht zu erfolgen haben.

Antwort KPÖ: Die KPÖ Graz ist der Meinung, dass das Murkraftwerk unbedingt einer Volksbefragung unterzogen werden muss. Wir haben immer betont, dass die Steuergelder, die in dieses Projekt fließen, an anderen Stellen, beispielsweise für den Öffentlichen Verkehr, fehlen werden.

Antwort SPÖ: Derselbe Wähler, dieselbe Wählerin wird wahrscheinlich auch darauf angewiesen sein, dass das Abwasser entsorgt wird, dass der Kanal nicht übergehtEr oder sie wird nicht wollen, dass die Mur deswegen zu einem toten, stinkenden Fluss wird: Fakt ist, der Kanal ist notwendig, spätestens in vier bis sieben Jahren wäre er laut ExpertInnen ein absolutes Muss. Jetzt aber haben wir die Chance, ihn aufgrund des Zusammenspiels mit dem Murkraftwerk, das im Übrigen ja nicht von der Stadt errichtet wird, um gute 20 Millionengünstigerzu bekommen.

Den notwendigen Speicherkanal und den ebenso notwendigen Straßenbahnausbau gegeneinander auszuspielen ist populistisch und führt zu nichts. Tatsache ist: die Stadt Graz hatte in der vergangenen Gemeinderatsperiode nur sehr wenig Spielraum für neue Investitionen. Daran wird sich kurzfristig auch nichts ändern. Daher: der Straßenbahnausbau hat keine zu geringe Priorität, sondern muss im Zusammenhang mit anderen Notwendigkeiten gesehen werden.

Kommentar von Pro Bim: Richtig ist, dass das Gegeneinander-Ausspielen von unterschiedlichen Infrastrukturprojekten nicht zielführend ist. Dennochjene 20 Millionen, die die Stadt beim Speicherkanal sparen kann, werden durch Mehrkosten aufgrund der Verschiebung der Tramprojekte wieder zunichte gemacht. Die Südwestlinie kostete ursprünglich 98 Millionen, inzwischen geht man von 120 Millionen aus.

Die FPÖ hat unsere Fragen leider nicht beantwortet

Antwort Grüne: Ja! Es war und ist leider für alle interessierten GrazerInnen ganz klar nachvollziehbar, dass für die überwiegende Mehrzahl der im Grazer Gemeinderat vertretenen Parteien der Straßenbahn- Netzausbau keine besondere Priorität zu genießen scheint. Insbesondere die Grazer Volkspartei, die SozialdemokratInnen und nicht zuletzt die für den Verkehr verantwortlichen Freiheitlichen haben auch in der letzten Periode keine einzige relevante Initiative gesetzt, um etwa die schon seit Jahren anstehende Verwirklichung der Südwest-Linie und die damit verbundene Innenstadtentflechtung – wie im November 2011 beschlossen weiter zu betrieben und weiter zu planen. Von einer Finanzierung dieser wichtigen neuen Linie ganz zu schweigen.

Für die Südwest-Linie sollte die schwarz-blaue Handschrift bei Stadtplanung und Verkehr aber noch ärgere Änderungen und Verzögerungen bringen: vor ca. 1 1/2 Jahren gab es nämlich einen für viele Menschen und ebenso für uns Grüne nicht nachvollziehbaren Änderungsbeschluss für die Trassenführung im Bereich Griesplatz, der nicht nur hohe Mehrkosten im Bau, sondern auch eine Erhöhung der Betriebskosten zur Folge hat (dass so ganz nebenbei die Fahrzeit für die Fahrgäste wegen der nun mit diesem Mehrheitsbeschluss festgelegten Umwegfahrt, beginnend am Griesplatz, über die Zweiglgasse und die Augartenbrücke, vorbei an der GKK, verlängert wird, bewegt in Graz kaum jemanden aus den genannten Fraktionen). Was v.a. für die ÖVP und die FPÖ in deren Verantwortung seit der letzten Wahl Ende 2012 die Finanzen einerseits und der Verkehr andererseits gelegen haben als das ganz dicke Minus zu vermerken bleibt, ist, dass dazu auch noch die Fertigstellung der Südwest-Linie samt Innenstadtentflechtung von zuerst Ende 2018 auf 2024/25 verschoben worden ist. Des Weiteren sind leider auch die wichtigen Linienausbauten nach Smart City Waagner-Biro-Straße und die Linienverlängerung von Eggenberg nach Reininghaus um zumindest ein bis zwei Jahre ´gestreckt´ worden. Keine Rede natürlich auch von Planung oder Bau der Nordwest-Linie nach Gösting und von einer Straßenbahnanbindung für die Karl-Franzens-Universität.

Das sagen wir Grüne den GrazerInnen, wenn an uns die Frage gerichtet wird, warum beim Straßenbahnausbau zwar in Linz und in Innsbruck viel weitergeht, aber Graz augenscheinlich zurückbleibt und stagniert. Dass schwarz-rot-blau sehr viel Geld für das Murkraftwerk und für den Zentralen Speicherkanal in kürzester Zeit aufbringen wollten und konnten, nicht aber für unsere Straßenbahn-Infrastruktur, zeigt klar und deutlich, wo hier Prioritäten gesetzt werden.

Antwort Piraten: Dies wurde leider gegen uns beschlossen. Wir sprechen uns beim Murkraftwerk für eine echte Volksbefragung aus, außerdem braucht es eine Strategische Umweltprüfung zur Energieversorgung in der Steiermark. Wir würden auch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel hohe Priorität geben. Wir kritisieren schon lange, dass von unseren Politikern in erster Linie Prestigeprojekte finanziert werden, dafür ist anscheinend immer genug Geld vorhanden. Unspektakuläre ‚Kleinigkeiten‘, wie z.B. die Verlängerung oder Neuerrichtung einer Straßenbahnlinie sind ihnen nicht wichtig genug. Hier mangelt es nicht am Geld, sondern einzig am politischen Willen. Wie soll man auch Verständnis für die Probleme der Öffi-NutzerInnen von Politikern erwarten, die es großteils nicht nötig haben, öffentliche Verkehrsmittel zu benützen. Eine unserer wichtigsten Forderungen ist der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, sowie eine Taktverdichtung. Wir haben ein entsprechendes Konzept erarbeitet (www.öffi- milliarde.at), das zeigt, wie ein Ausbau aussehen, bzw. wie er finanziert werden könnte. Leider finden es die (un-)verantwortlichen Stadtpolitiker nicht der Mühe wert, es einfach umzusetzen.

Antwort Einsparkraftwerk: Der Straßenbahnausbau in Graz hat einen schweren Stand, da er von keiner wirtschaftlichen Lobby, wie z.B. beim Murkraftwerk Graz, mitgetragen wird.

Antwort NEOS: Unserer Meinung nach wurden in der Stadt und Verkehrsplanung in Graz in den letzten Regierungsperioden definitiv falsche Prioritäten gesetzt. Dies zeigt sich am jetzt in der Eile durchgewunkenen Projekt des Murkraftwerks deutlich. Wir NEOS fordern bei Investitionen in dieser Höhe die klare Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. Dadurch können die Prioritäten innerhalb der Bevölkerung ganz klar ausgelotet werden und auch der Straßenbahnausbau wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Antwort Tatjana Petrovic: Absolut andere (falsch ist nicht meine Wortwahl, das was für einen falsch ist, ist für einen anderen richtig) Prioritäten. Den Wählern sollte man es auch nicht anders erklären. Der politische Wille ist nicht da. Das ist einzige Erklärung. Warum das so ist, das ist eine andere Frage.

Von der Liste WIR haben wir leider keine Antworten bekommen.